GridReport Redakteur: Ich atme, lebe und fühle die Formel 1.
Du hast gerade angefangen, „Drive to Survive“ zu schauen, oder willst am Sonntag endlich mitreden können, wenn die Motoren aufheulen? Willkommen in der Königsklasse des Motorsports.
Die Formel 1 (Kurzform: F1) ist mehr als nur 20 Autos, die im Kreis fahren. Es ist ein Hochgeschwindigkeitsschach bei 350 km/h, ein technisches Wettrüsten der besten Ingenieure und ein physischer Härtetest für die Piloten.
In diesem ultimativen Formel 1 Guide erfährst du alles, was du wissen musst: Vom Ablauf eines Rennwochenendes über die komplizierte Hybrid-Technik bis hin zur Frage, wer eigentlich gegen wen fährt.
1. Die Maschine: Warum F1-Boliden Flugzeuge sind
Ein Formel-1-Auto ist ein technisches Wunderwerk. Die wichtigste Kraft ist hier nicht der Motor allein, sondern die Aerodynamik. Flügel und Unterboden erzeugen „Downforce“ (Abtrieb), der das Auto so stark auf die Straße presst, dass es theoretisch an der Decke fahren könnte.
Die Power Unit: Hybrid-Monster mit 1000 PS
Vergiss den normalen Verbrennungsmotor. In der Formel 1 spricht man von der Power Unit. Sie ist der effizienteste Antrieb der Welt:
1.6 Liter V6 Turbo: Der Verbrenner liefert die Basis-Power.
ERS (Energy Recovery System): Das Hybridsystem gewinnt Energie beim Bremsen (MGU-K) und aus der Hitze des Turboladers (MGU-H).
Der Effekt: Zusätzliche 160 PS elektrischer Boost, den der Fahrer strategisch einsetzen kann.
Was ist DRS? (Verschwindet 2026)
Du wirst im TV oft die Einblendung „DRS enabled“ sehen. DRS (Drag Reduction System) ist eine Überholhilfe.
Die Regel: Ist ein Fahrer an einem Messpunkt weniger als 1 Sekunde hinter dem Vordermann, darf er auf der Geraden den Heckflügel flach stellen.
Der Effekt: Weniger Luftwiderstand → ca. 10–15 km/h mehr Speed → Überholen wird möglich.
Wie in der Zwischenüberschrift genannt: DRS ist ab der Saison 2026 kein Bestandteil mehr.
2. Der Ablauf eines F1-Wochenendes
Normalerweise erstreckt sich die Action über drei Tage. Aber Vorsicht: An manchen Wochenenden (ca. 6-mal pro Jahr) gibt es das Sprint-Format.
Das klassische Wochenende
Freitag: Zwei Trainingssessions (Free Practice 1 & 2) zum Testen der Autos und Sammeln von Daten.
Samstag: Drittes Training (FP3) und das Qualifying.
Q1, Q2, Q3: Ein Knock-out-System. In drei Runden scheiden die langsamsten Fahrer aus, bis die Top 10 um die Pole Position (Startplatz 1) kämpfen.
Sonntag: Der Grand Prix (das Hauptrennen).
Das Sprint-Wochenende
Hier geht es schneller zur Sache, um den Fans mehr Action zu bieten, allerdings gibt es den Sprint an nur 6. Wochenenden:
Freitag: Nur ein Training, dann sofort das Sprint-Qualifying.
Samstag: Das Sprint-Rennen (ein kurzes Rennen über 100 km, für das es extra Punkte gibt) + das Qualifying für den Sonntag.
Sonntag: Der normale Grand Prix.
3. Strategie und Reifen: Der Schlüssel zum Sieg
Reifenhersteller Pirelli liefert verschiedene Härten. Die goldene Regel: Im trockenen Rennen muss jeder Fahrer mindestens zwei verschiedene Mischungen nutzen. Das erzwingt den Boxenstopp.
Reifen (Slick)
Farbe
Eigenschaft
Strategie
Soft
🔴 Rot
Schnell, aber baut schnell ab
Für Qualifying & kurze Sprints
Medium
🟡 Gelb
Balance aus Speed & Ausdauer
Der Allrounder im Rennen
Hard
⚪ Weiß
Langsam, hält aber ewig
Für lange Distanzen ohne Stopp
Es gibt unterschiedlich weiche und unterschiedlich harte Reifen, die in C1 bis C6 aufgeführt sind. Der C6-Reifen wird 2026 abgeschafft, da dieser nicht überzeugt hat. Durch diese Varianten kann ein F1-Rennen auch spannender gestaltet werden, so halten nämlich die Reifen nicht so lang und unter Umständen ist dann ein zweiter Boxenstopp notwendig.
(Bei Regen kommen die grünen Intermediates oder blauen Full-Wets zum Einsatz)
Pro-Tipp „Undercut“: Ein Fahrer fährt früher an die Box als sein Vordermann, holt sich frische Reifen und fährt sofort extrem schnelle Runden. Wenn der Vordermann eine Runde später stoppt, kommt er oft hinter dem ersten Fahrer wieder raus. Das nennt man Undercut.
4. Regeln, Flaggen und Safety Car
Damit die Sicherheit auf der Strecke gewährleistet ist, kommunizieren die Streckenposten („Marshals“) über Flaggen:
🟨 Gelb: Gefahr an der Strecke (z. B. Auto steht). Geschwindigkeit reduzieren, Überholverbot.
🟩 Grün: Strecke wieder frei, Rennen läuft weiter.
🟦 Blau: Ein schnelles Auto überrundet dich. Mach sofort Platz!
🟥 Rot: Rennabbruch (z. B. schwerer Unfall oder Starkregen). Alle Autos müssen in die Boxengasse.
🏁 Schwarz-Weiß (Chequered Flag): Das Rennen ist beendet.
Safety Car (SC) & Virtual Safety Car (VSC)
Bei Unfällen rückt oft das Safety Car aus.
SC: Alle Autos reihen sich hinter dem Safety Car ein. Die Abstände schrumpfen auf null – schlecht für den Führenden, gut für die Verfolger!
VSC: Kein echtes Auto auf der Strecke. Alle Fahrer müssen nur eine bestimmte Rundenzeit einhalten (langsam fahren). Die Abstände bleiben gleich.
Strafen (Penalties)
Wer abkürzt oder unfair fährt, bekommt oft eine 5- oder 10-Sekunden-Zeitstrafe. Diese wird beim nächsten Boxenstopp abgesessen (Mechaniker dürfen das Auto 5 Sek. nicht berühren) oder am Ende auf die Rennzeit addiert.
5. Das Punktesystem (WM)
Es gibt zwei Weltmeisterschaften: Eine für die Fahrer und eine für die Konstrukteure (Teams).
Punkteverteilung (Platz 1 bis 10):
25 Punkte
18 Punkte
15 Punkte
12 Punkte
10 Punkte
8 Punkte … bis Platz 10 (1 Punkt).
Bonus: +1 Punkt bei schnellster Rennrunde gibt es seit Saison 2025 nicht mehr.
6. Die Teams und Fahrer: Wer kämpft gegen wen?
In der Formel 1 treten 10 Teams mit je 2 Fahrern an. Wichtig zu wissen: Es gibt einen Budget Cap (Kostendeckel). Teams dürfen pro Saison nur einen bestimmten Betrag ausgeben, damit reiche Teams wie Mercedes oder Ferrari sich den Sieg nicht einfach „kaufen“ können.
Hier ist ein Überblick über das Grid (Stand Saison 2024/25):
Team
Typische Farbe
Charakteristik
Red Bull Racing
Dunkelblau/Rot/Gelb
Das Maß der Dinge in den letzten Jahren. Extrem effizientes Auto und aggressive Strategie.
Ferrari
Rot (Rosso Corsa)
Der Mythos. Das älteste und bekannteste Team. Oft sehr schnell, aber manchmal strategisch chaotisch.
Mercedes
Silber / Schwarz
Die Perfektionisten. Nach jahrelanger Dominanz kämpfen sie sich technisch zurück an die Spitze.
McLaren
Papaya-Orange
Das Traditionsteam im Aufwind. Sehr beliebt durch junge Fahrer und starke Leistungssprünge.
Aston Martin
British Racing Green
Ambitioniertes Team, das oft das Mittelfeld anführt.
Alpine
Blau / Pink
Das französische Werksteam von Renault.
Williams
Dunkelblau
Ein historischer Rennstall mit großer Geschichte, der sich zurückkämpft.
Racing Bulls (RB)
Blau / Silber
Das Schwesterteam von Red Bull, oft eine Talentschmiede für junge Piloten.
Sauber (Kick)
Neongrün / Schwarz
Im Umbau zum zukünftigen Audi-Werksteam (ab 2026).
Haas
Schwarz / Rot / Weiß
Das US-Team. Kleinstes Budget, aber oft für Überraschungen gut.
7. Die 20 Fahrer: Helden, Rivalen und Legenden
Ein Formel-1-Auto zu fahren, ist Schwerstarbeit. Die Fahrer verlieren pro Rennen bis zu 3 kg Flüssigkeit, müssen Fliehkräfte von 5G (das Fünffache des eigenen Körpergewichts) aushalten und dabei Entscheidungen in Millisekunden treffen.
Das Wichtigste, was du wissen musst: Dein Teamkollege ist dein erster Gegner. Er ist der Einzige, der im exakt gleichen Auto sitzt. Wenn er schneller ist als du, hast du keine Ausreden.
Hier ist der Überblick über die Stars im Cockpit (basierend auf der spektakulären Konstellation der Saison 2025):
Die Titanen (Weltmeister & Superstars)
Max Verstappen (Red Bull): Der „Dominator“. Er gilt als eines der größten Naturtalente der Geschichte. Sein Fahrstil ist aggressiv, kompromisslos und extrem präzise. Er will nicht nur gewinnen, er will den Gegner zerstören.
Lewis Hamilton (Ferrari): Der „GOAT“ (Greatest of All Time). Mit 7 WM-Titeln ist er statistisch der erfolgreichste Fahrer. Sein Wechsel zu Ferrari ist die größte Story des Jahrzehnts. Er ist extrem erfahren, strategisch brillant und eine Mode-Ikone abseits der Strecke.
Fernando Alonso (Aston Martin): Der „Altmeister“. Er ist über 40, fährt aber immer noch wie ein 20-Jähriger. Bekannt für seinen „Renn-IQ“ – er liest das Rennen oft besser als die Strategen an der Boxenmauer.
Die Thronfolger (Die junge Elite)
Charles Leclerc (Ferrari): Der „Prinz“. Superschnell auf einer Runde (Qualifying-Spezialist), aber oft vom Pech verfolgt. Er trägt die Hoffnungen ganz Italiens auf seinen Schultern.
Lando Norris (McLaren): Der „Publikumsliebling“. Witzig, offen und auf Social Media aktiv, aber auf der Strecke eiskalt. Er hat sich vom Talent zum echten Titelanwärter entwickelt.
George Russell (Mercedes): Der „Mr. Consistency“. Er ist extrem analytisch, sehr politisch und immer perfekt vorbereitet. Er führt Mercedes in die neue Ära.
Oscar Piastri (McLaren): Der „Iceman“. Ein junger Australier, der niemals nervös wirkt. Er macht kaum Fehler und setzt seinen erfahreneren Teamkollegen Norris gehörig unter Druck.
Dann gibt es auch noch Besonderheiten wie Nico Hülkenberg, er ist der einzige Deutsche im Grid. In der Formel 1 ist das mittlerweile so, denn zuvor in den 0er-Jahren, gab es stellenweise bis zu 7 Fahrer aus Deutschland. Damit ist es nur logisch, dass er 2026 für das neue Audi-Werksteam fahren wird.
Die Rookies & Wildcards
Jedes Jahr kommen neue Talente aus der Formel 2 (der Nachwuchsserie) dazu. Fahrer wie Kimi Antonelli (Mercedes) oder Oliver Bearman gelten als die nächste Generation, die die alten Legenden herausfordert.
Tipp für Einsteiger: Such dir nicht den Fahrer aus, der immer gewinnt. Such dir den aus, dessen Charakter dir gefällt. Bist du für den aggressiven Verstappen? Den stilvollen Hamilton? Oder den lustigen Norris? Sobald du einen Favoriten hast, wird jedes Rennen zum Thriller.
FAQ: Häufige Fragen zur Formel 1
Wie lange dauert ein F1-Rennen? In der Regel etwa 90 Minuten. Das Limit liegt bei 2 Stunden reiner Fahrzeit. Sollte es z. B. durch Regen viele Unterbrechungen geben, darf das Event maximal 3 Stunden dauern.
Was kostet ein F1-Auto? Es gibt keinen Listenpreis, aber die Materialkosten allein werden auf ca. 12–15 Millionen Euro pro Auto geschätzt. Die Entwicklungskosten gehen in die Hunderte Millionen.
Warum wiegen sich die Fahrer nach dem Rennen? Fahrer verlieren im Rennen bis zu 3-4 kg Flüssigkeit durch Schwitzen. Sie werden gewogen, um sicherzustellen, dass das Mindestgewicht von Fahrer + Auto (aktuell ca. 798 kg) nicht unterschritten wurde.
Fazit: Formel 1 ist ein globaler Zirkus voller Drama, Politik und High-Tech. Such dir ein Team oder einen Fahrer aus, dem du die Daumen drückst – dann macht das Zuschauen doppelt so viel Spaß. Lights out and away we go!